Was ist «Illettrismus»?
«Illettrismus» ist ein gesellschaftliches Phänomen und verweist auf die Tatsache, dass es Erwachsene gibt, die Grundfertigkeiten des Lesens und Schreibens nicht beherrschen, und dies, obwohl sie die obligatorische Schule absolviert haben. Illettrismus unterscheidet sich insofern vom Analphabetismus, als letzterer Personen betrifft, die nie eine Schule besucht haben und also gar nie die Gelegenheit gehabt haben, lesen, schreiben und rechnen zu lernen.
Die Ursachen von Illettrismus sind vielfältig und nicht eindeutig zuzuordnen. Seine Wurzeln sind im familiären, schulischen, persönlichen und sozialen Umfeld der Betroffenen zu suchen. Er wirkt sich individuell aus, z. B. in mangelndem Selbstvertrauen, Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags, eingeschränkter Berufswahl, aber auch gesellschaftlich, namentlich in der Verminderung des sozialen Zusammenhalts, dem Entstehen einer Zwei-Klassen-Gesellschaft oder der Beschränkung bei der Ausübung staatsbürgerlicher Rechte. Ein komplexes Problem also, das aus vielerlei Perspektiven angegangen und mit verschiedenen, koordinierten Ansätzen im ganzen Bildungsbereich bekämpft werden muss.


